Ich bin auch der Meinung, dass Sex in der Schweiz zu günstig ist. Aber der Grund, wieso es so günstig ist, ist der Käufer, der entsprechende Marktsignale sendet. Wenn auf anderen Foren schon Negativkommentare kommen, weil jemand mal 200–300 CHF für eine halbe Stunde bezahlt hat, dann zeigt das die generelle Einstellung vieler Freier eigentlich erstaunlich gut.

Verglichen zu unserem Einkommen ist Sexarbeit in der Schweiz extrem billig. Man kriegt an jeder Ecke 30 min für 100 CHF. In Deutschland gibt es bei deutlich tieferen Einkommen ähnliche Preise (und natürlich noch viel billigere Ausreisser, weil sie zu einem weniger absoluten Grad eine ähnliche Einstellung haben wie wir). Das ist erstmal nicht unbedingt schlimm, möge man meinen. Ich glaube aber, dass sich das darauf auswirkt, was für ein Markt hier überhaupt entstehen kann.

Erstens haben wir in der Schweiz gefühlt einen sehr hohen Anteil an Frauen, bei denen ich ernsthafte Zweifel habe, wie freiwillig und selbstbestimmt sie arbeiten. Viele kommen aus einkommensschwachen Ländern. Das heißt natürlich nicht automatisch, dass sie gezwungen werden. Aber wenn der Schweizer Markt hauptsächlich Preise bietet, die für eine Schweizerin völlig uninteressant sind und aufgrund des Einkommensgefälles für jemanden aus einem sehr armen Land trotzdem viel Geld darstellen, dann ist es auch nicht überraschend, welche Art von Angebot man damit hauptsächlich anzieht.

Zweitens lohnt es sich schon seit Jahrzehnten kaum noch für lokale Frauen, diese Arbeit zu machen, was ich persönlich schade finde. Selbst der Anteil aus den direkten Nachbarländern geht gefühlt deutlich zurück. Warum soll eine Deutsche oder Österreicherin extra in die Schweiz kommen, wenn sie hier kaum mehr verlangen kann als bei sich zu Hause?

Japan als Beispiel, einfach weil es ein Land ist, in dem ich P4P relativ gut kenne: Das durchschnittliche Einkommen ist dort deutlich niedriger als in der Schweiz (25'000 CHF), Sex kostet aber teilweise ungefähr gleich viel wie bei uns. Und entsprechend existiert dort zumindest in den Segmenten, die ich kenne, ein ganz anderer Markt: lokale Frauen aus allen möglichen Ecken und mit allen möglichen Hintergründen, dazu Konsistenz, Identität, Wiedererkennungswert und ein vernünftiger Auftritt. WGs mit 100'000+ Social-Media Follower und einem Namen.

Natürlich liegt das nicht nur am Preis. Japan hat eine komplett andere Kultur, Regulierung und Industrie rund um das Thema. Aber ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht, ob eine Stunde Sexarbeit finanziell ungefähr den Gegenwert von ein paar Stunden normaler Arbeit oder von fast einem Arbeitstag darstellt.

Hier kriegt man hingegen ständig Fake-Inserate, Frauen, die keine Ahnung haben, was irgendein Schreiber vorher mit dem Kunden abgemacht hat, und teilweise Frauen, die so fertig aussehen, dass man sich ernsthaft fragt, unter welchen Bedingungen sie überhaupt arbeiten. Ob da im konkreten Fall Zwang dahintersteckt, kann ich natürlich nicht wissen. Aber bei manchen Situationen habe ich zumindest keinerlei Lust, herauszufinden, wie freiwillig das alles wirklich ist.

Ich finde die Situation einfach schade, wenn man schaut, was qualitativ in anderen Ländern möglich ist und hier irgendwie nicht. Ich würde mir wünschen, dass Sex in der Schweiz eher zwei- bis dreimal so viel kostet wie heute – oder zumindest, dass es einen viel größeren Markt in dieser Preisklasse gäbe. Dann wären wir eher auf dem Niveau bestimmter Segmente in den USA.

Und schaut euch an, was in den USA in diesen Segmenten möglich ist: Touren von Microcelebrities, aktiven Pornodarstellerinnen und attraktive Frauen aus aller Welt, eigener Auftritt, Reputation, vernünftige Kommunikation, Abmachungen werden eingehalten und der Service wirkt nicht wie etwas, das die Person möglichst schnell hinter sich bringen möchte. Wie sehr ich mir die kalifornischen K-Orgs doch in der Schweiz wünschen würde. K-Orgs: Eine top-Koreanerin in ihren 20ern/30ern für etwa 500 CHF / Stunde. 

Das Geld dazu hätten wir. Aber irgendwie hat ein großer Teil der Kundschaft entschieden, dass Sex ausgerechnet eines der wenigen Dinge in der Schweiz sein soll, bei denen man deutsche Discountpreise erwartet. Und sobald jemand 400 oder 500 CHF verlangt, wird diskutiert, als hätte sie gerade den Mindestpreis für einen gebrauchten Golf aufgerufen.

Ich persönlich leiste meinen kleinen Teil dazu: Random Frauen auf X-Date und co. buche ich praktisch nie. Ich buche Frauen, wenn sie vernünftige Preise verlangen und in irgendeiner Form eine eigene Präsenz haben. Sei es internationale Touren, Social Media, eigene Website ect. Ich rede nicht von irgendwelchem High-End-Gedöns mit Champagner und fünfstelligem Overnight. Aber ich nehme sehr gerne 400–500 CHF für eine Stunde mit einer freundlichen, gutaussehenden Frau in die Hand, mit der ich mich auch normal unterhalten kann und bei der ich einigermassen weiss, was ich bekomme. Dann gehe ich halt entsprechend weniger oft.

Und nein, höhere Preise würden natürlich nicht automatisch Ausbeutung verschwinden lassen. Wenn eine Agentur oder ein Zuhälter das Geld kassiert, bringt es der Frau herzlich wenig, ob der Kunde 100 oder 500 CHF bezahlt. Mir geht es eher darum, welche Art von Markt wir als Kunden mit unserer Zahlungsbereitschaft überhaupt ermöglichen.

Wir akzeptieren in der Schweiz bei Wohnungen, Restaurants, Handwerkern, Coiffeuren und praktisch allem anderen Schweizer Preise, weil hier nun mal Schweizer Löhne bezahlt werden müssen. Nur beim Sex scheint die Erwartung zu sein, dass 100 CHF völlig ausreichen müssen.

Ich frage mich wirklich, wieso wir ausgerechnet bei Sexarbeit keine Schweizer Qualität zu Schweizer Preisen haben möchten.

War übrigens nicht immer so. Vor langer Zeit war Sex hier viel teurer, entsprechend war die Auswahl auch spannender, weil es sich gelohnt hat, hier her zu kommen.