Ich liege bäuchlings auf dem Bett, den Kopf zur Seite gedreht, während zwei zarte Hände mit erstaunlicher Kräftigkeit meinen Rücken, meine Schultern, meine Arme und Beine bearbeiten. Sie macht das wirklich gut, die Kleine, stelle ich anerkennend fest. Kein Vergleich zu den vielen halbpatzigen, amateurhaften Rückenmassagen (sofern man sie überhaupt als Massagen bezeichnen konnte), die ich in der Vergangenheit habe über mich ergehen lassen. Lustloses Kneten, manchmal sogar nur einhändig, während die andere Hand das Smartphone bediente. Diese Dame hingegen versteht ihr Handwerk, im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie lässt auch meine Hände nicht aus. Es ist eine Wohltat, wie sie auf mir sitzt und unsere Finger ineinander verschmelzen. Einfach die totale Entspannung! Total? Fast.
Ein vertrautes, aber in diesem Moment unangebrachtes Gefühl macht sich plötzlich bemerkbar. Ein Rumoren in der Darmgegend. Ein untrügliches Zeichen, dass ein Gasgemisch sich seinen Weg nach draußen bahnen möchte. Nicht jetzt, denke ich. Wäre ich in dem Moment alleine oder mit einer langjährigen Partnerin zusammen, würde ich die angestaute Schwefelgasmischung in Form eines herzhaften Furzes in die Freiheit entlassen. Aber jetzt? Ich kann mit diesem hübschen, jungen Girl auf mir meinen Flatulenzen doch nicht einfach freien Lauf lassen! Für einen Moment kommt mir der Gedanke, den Furz durch etwas Schließmuskelakrobatik leise entweichen zu lassen, aber da wir nur zu zweit im Raum sind, würde der sich mit ziemlicher Sicherheit ausbreitende Gestank mich sofort überführen. Wie würde sie hingegen reagieren, wenn ich stattdessen die gegenteilige Taktik anwendete, also den gasförmigen Ballast mit einem lauten Pupser in die weite Welt schickte? Würde sie erschrecken, es lustig finden, wütend werden oder sich nichts anmerken lassen? Ehe die verschiedenen Optionen gedanklich durchgespielt sind, habe ich die Blähung durch krampfhaftes Zurückhalten des Furzes bereits niedergerungen. Vorübergehend, zumindest. Denn jeder weiß: Nach der Blähung ist vor der Blähung, und zurückgehaltene Fürze verschwinden nicht einfach im Nirgendwo, sondern melden sich bald schon wieder zurück, und zwar in doppelter Intensität. Doch warum habe ich ihn nicht einfach rausgelassen? Wäre doch viel entspannter und gesünder gewesen! Außerdem sind wir doch gerade intim miteinander gewesen, liegen nackt auf- und nebeneinander, und nun soll der Furz also plötzlich zu intim sein? Oder ist er einfach unhöflich? Dann hatten wir also gerade eben höflichen Sex, der nicht durch einen unhöflichen Furz getrübt werden sollte? Dabei ist wissenschaftlich bewiesen, dass das gegenseitige Anfurzen in Partnerschaften Zuneigung und Vertrauen symbolisiert und gar als Zeichen der Liebe interpretiert werden kann (
siehe hier). Mit Intimität alleine lässt sich das Wesen des Furzes allerdings nicht umschreiben. Man furzt ja durchaus in der Öffentlichkeit, zum Beispiel im Zug oder im Bus, sobald man als Übeltäter nicht mehr eindeutig entlarvt werden kann. Bei bösen Blicken kannn man notfalls selbst die Nase rümpfen und den Sitznachbarn tadelnd anschauen. In heiteren Runden befreundeter Männer ist das hemmungslose Furzen gar schon fast Pflicht und wird teilweise regelrecht zelebriert. (Wie das in reinen Damenrunden gehandhabt wird, kann ich nicht beurteilen.) Jeder kennt den pubertären Streich aus der Jugendzeit, als die Brennbarkeit der eigenen Darmgase mit dem Griff zum Feuerzeug vor den versammelten Freunden demonstriert wurde. Der natürliche körperliche Vorgang des Pupsens wird also je nach Setting vollkommen unterschiedlich bewertet.
Eine halbe Stunde später. Unser Termin ist zu Ende. Die Blähung hat sich während des Duschens erstaunlicherweise nicht zurückgemeldet. Wir quatschen noch kurz, umarmen und verabschieden uns. Bis zum nächsten Mal! Kaum ist die Tür hinter mir ins Schloss gefallen, hallt ein lauter Furz durchs Treppenhaus. Erleichtert trete ich hinaus ins Freie.